Heimat- und Bürgerverein
Nierendorf e. V.

Zur Geschichte von Nierendorf

Die nachfolgenden Ausführungen zur Geschichte sind der Nierendorfer Chronik entnommen. Leider ist die Chronik vergriffen.

Älteste Bevölkerungszahl aus dem Jahre 1666 / 67 : 75 Köpfe;
1796 à 268 Einwohner
1898 à 340 Einwohner
1961 à 344 Einwohner
1979 à 500 Einwohner
1999 à 905 Einwohner

 



Zur frühen Geschichte des Raumes Nierendorf ist kaum etwas bekannt – mit Sicherheit hat es Bebauungen in der Römerzeit gegeben; ein Relikt aus dieser Zeit ist der Basisstein eines Jupiterdenkmals, der seit 1805 als Taufstein verwendet wurde. Das nachfolgende Foto zeigt eine Nachbildung des Nierendorfer Jupiter, die von Heinrich Esch, Birgel, dem Ortsbezirk Nierendorf geschenkt wurde. Herr Esch hatte im Auftrag für die Bundesgartenschau 1974 zwei Nachbildungen geschaffen, wobei er vertragsgemäß eine Nachbildung für sich erstellen konnte - an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön namens der Nierendorfer an Herrn Heinrich Esch, der die Nachbildung nach 20 Jahren restauriert hat.

Viel später erfahren wir etwas von der Existenz des Dorfes: im Jahre 1117 schenkten die Bürger von Remagen der neu gegründeten Propstei auf dem Berg bei Remagen (heute: Kloster Apollinarisberg) u. a. ein Gut mit 4 Schillingen Jahresrente und einen Weinberg bei Nithirindorp.

Zum Teil weitentfernte Klöster hatten in Nierendorf Besitz:
z.B. die Abtei Corbie in der Picardie (Nordfrankreich)
z.B. Abtei Nivelles, südlich von Brüssel
z.B. das Stift St. Gereon in Köln erwarb Besitz von einem Ritter Arnold von Nierendorf
z.B. das Bonner Cassiusstift besaß das Recht, einen Geistlichen einzurichten

 

Zum Namen Nierendorf
Vor mehreren Jahrhunderten lagen die Häuser dieser Ortschaft sehr zerstreut "das wird nie ein Dorf" – (Nie-ein-Dorf) sagten die Leute. In Wirklichkeit heißt der Name einfach niederes Dorf ( nithiri = nieder). Nierendorf ist entstanden im frühen Mittelalter nach dem um 400 erfolgten Zusammenbruch der römischen Herrschaft am Niederrhein.
Namensentwicklung: 1117 Nithirindorp -1240 Nirendorp -1299 Nevendorp -1500 Neyndorff heute: Niendörep (Umgangssprache)

Nierendorf hat gemäß mündlicher Überlieferung aus mehreren Teilen bestanden, Niedernierendorf, Obernierendorf, weitere kleine Siedlungen lagen über die Gemarkung verstreut, z.B. die Rischmühle. Andere Gehöfte, insbesondere nahe der alten Frankfurt-Achener-Heerstraße gelegene Gehöfte sind untergegangen.

Bis zur französischen Besatzungszeit um 1800 gehörte Nierendorf zur Herrschaft Landskron (Landskroner Herren), während die übrigen Orte der Pfarrei Leimersdorf zur Grafschaft Neuenahr gehörten. Im Bewußtsein der Bevölkerung ist das heute noch erkennbar. So sagt man: Ich gehe auf die Grafschaft. Nierendorf war nie eine eigene Pfarrei, so besaß es doch eine große Selbständigkeit, indem es einen eigenen Seelsorger, Küster sowie Kirche, Pfarrhaus, Küsterwohnung, Friedhof, Sendschöffen, eigenes Rechnungswesen und einen Kirchenrechner hatte. Eine Kuriosität: Obernierendorf gehörte rechtlich zur Pfarrei Leimersdorf, einige Häuser von Niedernierendorf gehörten über lange Zeit bis 1805 zur Pfarrei Kirchdaun.

1890: Bau eines neuen Pfarrhauses und 1898/99 Bau einer neuen Kirche. Vor dem Hintergrund, daß Nierendorf keine Pfarrei war, sondern lediglich eine Filialkirche hatte, besaß Nierendorf trotzdem von 1918 bis 1982, also 64 Jahre, eigene Geistliche; vor 1918 gab es eine 64-jährige Durststrecke, also keine Pfarrer. Seit 1724 hat Nierendorf eine eigene Schule – dieses Schulgebäude wird seit den 70´er Jahren als Bürgerhaus genutzt.

Die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung: von den Anfängen bis in die Nachkriegszeit die Landwirtschaft; heute gibt es noch 4 Haupterwerbsbetriebe. Neben der Landwirtschaft spielte früher auch der Weinbau im Ort eine gewisse Rolle. Seit 1117 werden Weingärten genannt. 1809: 5,07 ha, 1859: 10 ha. Nach der Jahrhundertwende verschwindet der Weinbau völlig. Handwerksbetriebe befriedigten nur die Bedürfnisse der Dorfbevölkerung, z. B. Schmiede, Schreiner, Schuster, Schneider und Gastwirtschaften. Die Rischmühle ist schon im Jahre 1335 genannt. Ein Baugeschäft gibt es schon in der 5. Generation. Im vorigen Jahrhundert wurden an mehreren Stellen der Gemeinde Grafschaft in kleineren Bergwerken Eisenerze, Braunkohle und andere Bodenschätze gefördert. In der Gemarkung Nierendorf hat man im 18. Jahrhundert das Kupfer- und Bleibergwerk "Arget" betrieben. Der Stolleneingang ist heute noch hinter der Rischmühle sichtbar. Von 1881 bis in die 20´er Jahre baute man Ton ab. Nennenswert ist der Abbau von Basaltsteinen auf einer markanten Höhe in Nierendorf, dem Americh, wo traditionell heute noch das Martinsfeuer abgebrannt wird.

Verkehrsmäßig lag Nierendorf keineswegs abgeschieden, denn eine Fernstraße führte südlich des Dorfes vorbei. Es handelt sich um die Heerstraße, später Poststraße, Handels- und Pilgerweg zwischen Frankfurt und Aachen. Die in Frankfurt gewählten Könige fuhren mit Kutschen bzw. einem ganzen Troß über diese Heerstraße nach Achen, eine Attraktion für die Dorfbevölkerung. Rund 1000 Jahre bis ins vorige Jahrhundert hinein besaß diese Heerstraße eine größere Bedeutung als die heutige westlich des Dorfes vorbeiführende Autobahn. Seit 1870 versuchte die Bürgermeisterei in Ringen einen Anschluß an das Eisenbahnnetz zu erhalten. 1918 begann man mit dem Bau einer Stichbahn von Ringen nach Nierendorf. Zwischen Nierendorf und Leimersdorf wurde ein Bahnhof geplant. Heute wird das Gelände vom Sportplatz genutzt. Seit Herbst 1926 war die Strecke bis zum geplanten Bahnhof im Unterbau fertig. Dann stockte die Fortführung in Richtung Bad Bodendorf an der Ahr. Geplant war, die Strecke vom Bahnhof Nierendorf in einem Bogen um Birresdorf herumzuführen, östlich wieder an Nierendorf vorbei über Kirchdaun zur Ahr laufen zu lassen. Streitigkeiten über die Linienführung, hohe Kosten wegen der notwendigen Brückenbauten und Tunnels führte dazu, daß die Aktivitäten eingestellt wurden. Heute ist uns Nierendorfern der Bahndamm geblieben, der vor 8 Jahren mit über 6000 Jungbäumen und Sträuchern bepflanzt wurde.

Eine weitere Station in der Erschließung des Dorfes war die Errichtung einer Postagentur im Jahre 1895, einer Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetrieb im Jahre 1897 und schließlich der Bau einer Wasserleitung im Jahre 1957.

Kulturelles Leben im Dorf spielt sich im wesentlichen in den Vereinen ab. Die beiden ältesten Vereine sind die Sankt-Sebastianus-Bruderschaft, die vor 1520 gegründet wurde und heute mehr als 660 Mitgliedern nicht nur aus Nierendorf zählt sowie der am 15. Juni 1901 gegründete Junggesellenverein. Hinzu kommen in neuerer Zeit der Möhnenverein, das Fanfarencorps Blau-Weiß-Nierendorf, das Musikcorps Grafschaft mit Sitz in Nierendorf sowie die die 1998 gegründete Trägergemeinschaft für die alte Schule. Die Gründung der heute noch bestehenden Feuerwehr erfolgte 1922.

Ein wichtiges Datum in der neueren Geschichte des Dorfes ist das Jahr 1974. Bis dahin war Nierendorf eine selbständige Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Ringen. Aus wirtschaftlichen Gründen hatte man sich entschlossen, aus der Verbandsgemeinde Ringen eine verbandsfreie Gemeinde Grafschaft zu gründen mit der Folge, daß politisch gesehen die Selbständigkeit der Dörfer und damit auch Nierendorf aufgehoben wurde. Die Interessen des sog. Ortsbezirks Nierendorf – wie es seit 1974 heißt – werden bei der Gemeinde Grafschaft durch die neuerdings direkt gewählten Ortsbeiräte und den Ortsvorsteher vertreten. Letztendlich werden die politischen Entscheidungen in Ortsangelegenheiten im Grafschafter Gemeinderat getroffen.


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